Die Spargelsaison ist in Deutschland mehr als nur ein kulinarisches Ereignis; sie ist ein festverankerter kultureller Ritus, der seit Jahrhunderten die deutsche Esskultur prägt. Während die Spargelzeit abhängig von den Wetterbedingungen meist Mitte April beginnt, steht das Gelingen dieses empfindlichen Gemüses oft auf dem Prüfstand. Der 2-Sterne-Koch und Markenbotschafter von Fissler, Alexander Herrmann, hat in den letzten Jahren eine Reihe von Rezepten und technischen Erkenntnissen veröffentlicht, die den Spargel von einem simplen Gemüse zu einem komplexen Geschmackerlebnis heben. Seine Ansätze reichen von traditionellen Klassikern bis hin zu modernen Interpretationen, bei denen die Balance zwischen Textur, Aroma und technischer Präzision im Vordergrund steht.
Dieser Artikel widmet sich einer tiefgehenden Analyse der Techniken und Rezepte von Alexander Herrmann. Es geht dabei nicht nur um das „Was“, sondern vor allem um das „Wie“ und „Warum“ der Zubereitung. Die folgenden Ausführungen basieren ausschließlich auf den verfügbaren Informationen aus seinen Publikationen, Interviews und Rezepten, die von klassischer Suppe bis hin zu aufwendigen Hauptgerichten reichen.
Die philosophische und kulturelle Einordnung des Spargels
Um die Rezepte von Alexander Herrmann vollständig zu verstehen, muss man den Spargel zunächst in seinem kulturellen Kontext betrachten. Ursprünglich war Spargel ein Gericht des Adels, das vor allem in den Spargelmonaten auf festlichen Tafeln serviert wurde. Im Laufe der Zeit wurde das Gericht immer zugänglicher und fand in vielen Haushalten einen festen Platz. In der heutigen Zeit ist die Spargelsuppe nicht nur ein Aushängeschild der deutschen Küche, sondern auch ein Symbol für die Saison und die regionale Esskultur.
Herrmanns Ansatz ist dabei, diese Traditionen zu bewahren, sie aber durch moderne Details und geschickte Zubereitung neu zu interpretieren. Seine Rezepte sind Meilensteine in der deutschen Suppenküche, die Eleganz, Geschmack und Technik vereinen. Es geht nicht um einfache Wiederholung, sondern um die kreative Veredelung klassischer Elemente. Die Zubereitung ist zwar einfach im Grundprinzip, doch die Details machen den Unterschied aus. Ein solches Rezept muss authentisch und nachvollziehbar sein, muss die ursprüngliche Geschmackskomponente nicht überdecken, sondern die Aromen und Texturen hervorheben.
Die Wissenschaft der Spargelauswahl und Vorbereitung
Bevor der eigentliche Garprozess beginnt, ist die korrekte Auswahl und Vorbereitung des Rohstoffs entscheidend. Hier gibt es häufig Missverständnisse, die Herrmann in seinen Ratgebern und Interviews aufklärt.
Das Märchen vom Entbittern
Ein weit verbreiteter Mythos in der Küche besagt, dass sich Spargel entbittern lässt, indem man beim Kochen Toastbrot oder ein Weizenbrötchen ins Kochwasser gibt. Herrmann stellt dies als reine Legende dar: „Wenn der Spargel bitter ist, dann bleibt das auch so.“ Das Hinzufügen von Brot ändert nichts an der chemischen Zusammensetzung des bereits gebildeten Bitterstoffs.
Ein weiterer häufiger Irrtum betrifft die Verwendung von Zitrone im Kochwasser. Viele Hobbyköche geben Zitrone hinzu, um den Geschmack zu verbessern. Vorsicht ist hier geboten, denn Zitrone verändert den Geschmack des Spargels nachhaltig. Die Zitrusnote kocht sich tief in die Fasern ein. Wenn die Zitronenschale leicht bitter ist, übergeht diese Bitterkeit direkt auf den Spargel. Der Saft ändert den Charakter des Gemüses grundlegend, was oft unerwünscht ist, da der Eigengeschmack des Spargels verdeckt wird.
Die Bedeutung des Schnittes
Die Art und Weise, wie der Spargel geschnitten und geschält wird, hat direkten Einfluss auf das Endergebnis. Herrmann erklärt, dass die Bitterkeit oft mit dem Schnittort zusammenhängt. Wenn der Spargel noch sehr jung ist, wird er relativ weit unten an der Wurzel gestochen. Das heißt: Je kürzer der Spargel ist, desto näher an der Wurzel ist der Schnitt erfolgt, umso bitterer ist er auch.
Für die Spargelsuppe ist eine sorgfältige Vorbereitung unerlässlich: - Die Enden des grünen Spargels werden abgeschneidet. - Etwa 1 cm vom unteren Teil des Spargelschälen. - Die untere Hälfte der Spargelstangen wird weiter geschält. - Die Spargelspitzen werden gesondert behandelt. - Die abgefallenen Schalen müssen achtungsvoll aufgehoben werden, da sie oft für die Brühe verwendet werden.
Rezept 1: Cremige Spargelsuppe als kulinarische Wohltat
Die Spargelsuppe gilt als einer der Klassiker der deutschen Küche und ist besonders während der Saison ein beliebtes Gericht. Sie vereint Eleganz, Geschmack und Nährwert in einem cremigen und harmonischen Aromabild. Herrmanns Rezept folgt einem klassischen Schema, das durch geschickte Würzung und die Verwendung von Aromen wie Zitrone und Orange eine besondere Note erhält.
Zutatenliste für vier Portionen
Um das Rezept präzise nachzustellen, ist folgende Zutatenliste erforderlich:
- 1 Bund grüner Spargel
- 150 g Frühstücksspeck (Bacon)
- 2 Zwiebeln
- 1 Zitrone
- 1 Orange
- 2 Zweige Blattpetersilie
- 400 g TK-Erbsen
- 1 Liter Gemüsebrühe
- 250 ml Sahne
- 1 Prise Cayenne
- 1 Prise edelsüße Paprika
- 1 Prise gemahlener Kümmel
- 2 EL Butter
- Salz und schwarzer Pfeffer aus der Mühle
Zubereitungsschritte und Techniken
Die Zubereitung der Suppe erfordert Präzision, um ein optimales Ergebnis zu erzielen. Das Grundprinzip ist übersichtlich, doch die Details sind entscheidend.
- Vorbereitung des Spargels: Die Enden des grünen Spargels werden abgeschnitten. Etwa 1 cm vom unteren Teil werden geschält. Die untere Hälfte der Spargelstangen wird weiter geschält, die Schalen werden aufgehoben. Die Spargelspitzen werden gesondert aufbewahrt.
- Grundlage der Suppe: Die Zwiebeln werden in Butter oder Öl angeschwitzt. Die geschälten Spargelenden und die aufbewahrten Schalen kommen hinzu.
- Brühe und Aromen: Die Mischung wird mit dem Liter Gemüsebrühe aufgefüllt. Zitrone und Orange liefern hier die frischen Akzente. Die Suppe köchelt, bis der Spargel gar ist.
- Verfeinerung: Am Ende der Zubereitung wird die Suppe püriert. Sahne wird hinzugefügt, um die Cremigkeit zu erhöhen. Für eine besonders intensive Aromatik kann ein Zitronenabrieb hinzugefügt werden. Dieser verleiht der Suppe eine frische Note und hebt die cremigen Aromen hervor. Zudem kann ein feiner Schuss Zitronensaft am Ende der Zubereitung den Geschmack frisch und ausgewogen wirken lassen.
- Säuerung und Würze: Um die Suppe besonders geschmeidig zu machen, kann auch etwas Crème fraîche oder Speisestärke verwendet werden. Diese sollten jedoch vorsichtig dosiert werden, um die ursprüngliche Geschmackskomponente nicht zu überdecken. Cayenne, Paprika und Kümmel geben der Suppe eine tiefe, komplexe Würze.
Varianten und kreative Anpassungen
Obwohl das Grundrezept bereits äußerst ausgewogen ist, gibt es kreative Alternativen, die das Rezept weiter abrunden können.
- Grünspargel-Variante: Eine beliebte Variante ist die Herstellung der Suppe mit grünem Spargel statt weißem. Der grüne Spargel verleiht der Suppe eine leichte Bitternote und eine frische, leicht herbe Note. Zudem benötigt er meist etwas weniger Kochzeit, da er bereits leichter im Biss ist.
- Asiatischer Touch: Moderne Rezepte integrieren exotische Gewürze wie Ingwer oder Zitronengras. Diese Aromen verleihen der Suppe eine ungewöhnliche Würze und brechen mit dem traditionellen Geschmacksempfinden.
Für eine optisch ansprechende Präsentation eignet sich Toastbrot in Form von Croûtons oder fein gehackter Schnittlauch. Diese Garnierungen verleihen der Suppe nicht nur ein visuelles Highlight, sondern auch zusätzliche Aromen und Texturen.
Rezept 2: Steinpilz-Risotto mit Nussbutter-Spargel
Zur Feier des 180-jährigen Jubiläums von Fissler entwickelte der 2-Sterne-Koch Alexander Herrmann ein besonderes Rezept. Es handelt sich um ein cremiges Steinpilz-Risotto, das im Schnellkochtopf zubereitet wird. Das Gericht kombiniert das Risotto mit goldgelb gebratenem Spargel in nussiger Gewürzbutter. Es ist ein harmonisches Zusammenspiel von Aromen, das sich ideal für Hobbyköche eignet, die sich und ihre Gäste verwöhnen möchten.
Zeitaufwand und Effizienz
Die Gesamtzeit für dieses Rezept beträgt 40 Minuten. Davon entfallen 15 Minuten auf die Arbeitszeit und 25 Minuten auf die Koch- und Backzeit. Dies unterstreicht, dass auch anspruchsvolle Gerichte schnell zubereitet werden können.
Detaillierte Zutatenliste
Für das Risotto selbst werden folgende Komponenten benötigt: - 300 g Risottoreis - 2 Stk. Schalotten - 2 Zehen Knoblauch - 100 ml Weißwein - 450 ml Gemüsebrühe - 450 g Steinpilze (TK, klein bis mittelgroß) - 100 g Parmesan, fein gerieben - 80 g Butter - 1 Schuss Olivenöl - Salz und schwarzer Pfeffer aus der Mühle
Für den Spargel-Beilagen-Teil: - 6-8 Stangen Spargel - 1 Stk. (hier fehlt die genaue Zutat, aber Kontext deutet auf Butter/Gewürze hin, basierend auf „Nussbutter-Spargel").
Das Geheimnis der Nussbutter
Ein entscheidender Aspekt dieses Rezepts ist die Verfeinerung mit würzigem Parmesan und sanft gegartem Spargel in nussiger Gewürzbutter. Die Kombination von Steinpilzen und Spargel schafft eine Texturvielfalt, die durch den Risottoreis perfekt abgerundet wird. Der Risottoreis wird im Schnellkochtopf sanft gegart, was für eine perfekte Konsistenz sorgt.
Rezept 3: Grüner Spargel mit Himbeer-Couscous und Mandelcreme
Neben den klassischen Suppen und dem Risotto bietet Alexander Herrmann auch moderne Kombinationen an. Ein solches Gericht ist der grüne Spargel mit Himbeer-Couscous und Mandelcreme. Dieses Rezept stammt aus dem Kontext seiner TV-Serie „Aufgegabelt", die ein Kochbuch begleitend enthält.
Komponentenanalyse
Dieses Gericht besteht aus drei Hauptkomponenten, die sorgfältig zusammengesetzt werden müssen.
Tabelle: Zutaten für die drei Komponenten
| Komponente | Zutaten (Mengen) |
|---|---|
| Für den Couscous | 1 kleine Zwiebel, 2 EL Olivenöl, 200 g Couscous, Salz, 200 ml Rote-Bete-Saft, 1 EL Baharat (arabische Gewürzmischung), 50 ml Himbeeressig. |
| Für die Creme | 100 g Mandelblättchen (leicht geröstet), 200 ml ungesüßter Mandeldrink, 100 g Toastbrot, 6 EL Olivenöl. |
| Für den Spargel | 1 Bund grüner Spargel, 1 Knoblauchzehe, 2 EL Olivenöl, 100 g Himbeeren. |
Zubereitungsschritte
Die Zubereitung erfolgt in mehreren parallelen Schritten, die eine hohe Effizienz erfordern.
Zubereitung des Couscous: Die Zwiebel wird geschält und in feine Würfel geschnitten. Sie wird in einem Topf in 2 EL Olivenöl glasig angeschwitzt. Der Couscous wird hinzugegeben, mit einer Prise Salz gewürzt und mit Rote-Bete-Saft aufgefüllt. Alles wird einmal kurz aufgekocht. Anschließend wird der Topf vom Herd genommen und zugelegt, damit der Couscous etwa 5 Minuten ausquellen kann. Danach wird der Deckel entfernt, der Couscous vorsichtig aufgerührt und großzügig mit Baharat und ggf. nochmals mit Salz gewürzt. Das Gericht wird mit Himbeeressig säuerlich abgeschmeckt.
Zubereitung der Creme: Die gerösteten Mandelblättchen werden in einem Topf im Mandeldrink bei mittlerer Hitze langsam aufgekocht. Das Toastbrot wird in kleine Stücke zerteilt oder als Basis für die Creme genutzt. Die Kombination aus Mandeln, Brot und Olivenöl bildet eine reichhaltige, nussige Basis.
Zubereitung des Spargels: Der grüne Spargel wird vorbereitet. Er wird in Olivenöl mit Knoblauch gebraten oder gekocht, um die frischen Aromen zu betonen. Die Himbeeren dienen als süß-säuerliche Note, die das Gericht komplettiert.
Tipps und Tricks vom Sternekoch: Das Allerbeste vom Spargel
Neben den Rezepten hat Alexander Herrmann eine Reihe von Tipps gesammelt, die für jeden Küchenchef oder Hobbykoch wertvoll sind. Diese Ratschläge decken Bereiche ab, die oft übersehen werden, aber über Erfolg oder Misserfolg entscheiden.
Die „Allround-Soße" und der Spargelbruch
In einem Interview für die Seite nn.de erklärt Herrmann, wie Spargel auf alle Fälle gelingt. Er verrät sein Geheimnis der absoluten Lieblings-Allroundsoße, die leicht gelingt und toll schmeckt. Zudem hat er einen Tipp, wie man das Allerbeste vom Spargel günstiger bekommt: den sogenannten Spargelbruch.
Sogenannter Spargelbruch ist der Höhepunkt der Spargelsaison. Dieser meint abgebrochene Stangen – in längeren oder auch kürzeren Varianten. Oft werden diese Teile in Supermärkten günstiger angeboten, da sie nicht die perfekte Präsentation bieten, aber geschmacklich identisch mit den ganzen Stangen sind. Für die Suppe oder das Risotto ist dies eine hervorragende Möglichkeit, die Kosten zu senken, ohne Qualität einzubüßen.
Das Märchen vom Entbittern und der Zitrone
Wie bereits erwähnt, gibt es mehrere Irrtümer, die Herrmann aufklärt. Das Märchen, dass sich Spargel entbittern lässt, indem man Toastbrot oder ein Weizenbrötchen beim Kochen mit hinzugibt, ist falsch. Wenn der Spargel bitter ist, dann bleibt das auch so.
Ebenso vorsichtig sollte man mit Zitrone umgehen. Viele geben Zitrone mit ins Kochwasser. Hierbei ist Vorsicht geboten, denn die Zitrone ändert den Geschmack des Spargels nachhaltig. Die Zitrusnote kocht sich tief in die Fasern ein. Wenn die Zitronenschale also leicht bitter ist, geht das direkt auf den Spargel über.
Die Klassische Zubereitung
Immer noch am besten und gar nicht schwer: Spargel klassisch. Dafür werden die Stangen ganz puristisch mit Wasser bedeckt und mit einer guten Prise Salz gekocht, bis die gewünschte Konsistenz erreicht ist. Manche mögen den Spargel weich, manche bissfest. Da gibt es keine Regel!
Dieser Ansatz unterstreicht, dass die Einfachheit oft die beste Lösung ist. Der Spargel sollte seine eigene Textur und sein eigenes Aroma behaupten, statt von starken Zusätzen überlagert zu werden.
Fazit
Die Rezepte und Techniken von Alexander Herrmann zeigen, wie traditionelle deutsche Gerichte wie Spargelsuppe oder Risotto durch moderne Akzente und präzise Technik aufgewertet werden können. Seine Ansätze vereinen Eleganz, Geschmack und Nährwert. Ob als cremige Suppe, als komplexes Risotto oder als modernes Couscous-Gericht – der Spargel bleibt ein zentrales Element der deutschen Saisonküche.
Herrmanns Arbeiten betonen, dass Qualität im Detail liegt: Im korrekten Schneiden, in der Wahl der Gewürze wie Baharat oder Cayenne, und im Verständnis dafür, was dem Spargel nutzt und was ihm schadet. Die Kombination von klassischen Techniken mit modernen Zutaten wie Himbeeressig, Rote-Bete-Saft und Mandelcreme beweist, dass Tradition und Innovation Hand in Hand gehen. Die Ergebnisse sind beeindruckend, die Zutaten leicht zu beschaffen und die Zubereitung nachvollziehbar. Die Spargelsuppe und das Risotto sind nicht nur willkommene Vorspeisen oder Hauptgerichte, sondern Symbole einer Esskultur, die immer wieder neu entdeckt werden kann.
Quellen
- Fissler Rezept: Steinpilz-Risotto mit Nussbutter-Spargel
- Sumkapelmeni: Alexander Herrmanns Rezept für cremige Spargelsuppe
- Dorling Kindersley: Grüner Spargel mit Himbeer-Couscous und Mandelcreme
- nn.de: Spargel-Geheimrezept und Tipps von Alexander Herrmann
- Freundin.de: Spargel-Tricks von Alexander Herrmann