Vom römischen Original bis zum klassischen Kochen: Die Kunst des Spargels

Die Geschichte des Spargels ist eng mit der Entwicklung der europäischen Kochkunst verwoben. Vom ersten überlieferten Kochbuch Europas bis hin zu den traditionellen Frühjahrsgerichten der Lombardei, hat dieses edle Gemüse stets eine zentrale Rolle gespielt. Die Zubereitung von Spargel, ob nach antiken Methoden oder nach klassischen europäischen Rezepten, erfordert ein tiefes Verständnis für die Eigenschaften des Gemüses und die feinen Nuancen der Garprozesse. Ein echtes „Original-Rezept" ist nicht nur eine bloße Anweisung zum Garen, sondern ein kulturelles Dokument, das Geschmack, Tradition und Technik vereint.

Die Basis aller Spargelgerichte liegt in der korrekten Vorbereitung und dem Garen. Egal ob es sich um das antike Rezept des Römers Apicius handelt, das klassische deutsche Grundrezept oder die „Spargel nach Mailänder Art", die Grundprinzipien bleiben gleich: Das richtige Schälen, die Auswahl des Kochwassers und die präzise Zeitsteuerung sind entscheidend für das Endergebnis. Im Folgenden wird die gesamte Bandbreite der Spargelzubereitung von den historischen Wurzeln bis zu modernen Techniken untersucht.

Die historische Wurzel: Apicius und die römische Küche

Schon die alten Römer liebten Spargel, eine Leidenschaft, die in den Schriften von Marcus Gavius Apicius dokumentiert ist. Sein Werk „Ars Magirica – Über die Kochkunst" gilt als das erste überlieferte Kochbuch Europas. Obwohl Historiker über die genaue Person des Apicius uneinig sind – ob er tatsächlich der reiche Feinschmecker war, der sich das Leben nahm, als sein Vermögen verloren ging – bleiben seine Rezepte als Meisterwerke der damaligen Zeit anerkannt. Apicius betrieb eine Kochschule und war bekannt für seine Extravaganz, was sich auch in seiner Liebe zu exotischen Zutaten und komplexen Gerichten zeigt.

Das bekannteste Rezept von Apicius, das heute noch häufig nachgekocht wird, ist die „Patina de asparagis frigida" (Spargelauflauf). Dieses Gericht demonstriert den römischen Ansatz, Spargel nicht nur als einfaches Gemüse, sondern als Basis für komplexe Gerichte zu behandeln. Die Zubereitung dieses Originalrezepts erfordert eine sorgfältige Auswahl der Zutaten und eine präzise Verarbeitung.

Zutaten und Methode nach Apicius

Für vier Personen benötigt man für das Originalrezept folgende Bestandteile: - 2 kg Spargel - 4 Wachteln oder alternativ 4 Hühnerbrüste - 6 Eier - 1 Esslöffel Wein - 1 Esslöffel Likörwein - 2 Esslöffel Fischsauce (Garum) - Reichlich Pfeffer - 80 ml Öl

Die Zubereitung des römischen Originalrezepts verläuft in mehreren Schritten, die eine spezielle Kombination aus Garen und Verfeinern darstellen. Zuerst müssen die Wachteln (oder Hühnerbrüste) vorbereitet und halbgar gekocht werden. In einem weiteren Schritt wird der Spargel gekocht, abgegossen und durch ein Sieb passiert, wodurch ein feines Püree entsteht. Diesem Brei werden gemischte Eier mit etwas Fischsauce hinzugefügt und gut gerührt.

In einem separaten Topf werden zerstoßener Pfeffer, Wein, Likörwein, die restliche Fischsauce und Öl zusammengegeben und aufgekocht. Das vorbereitete Spargelpüree kommt in eine Auflaufform. Im römischen Original wurden statt der Wachteln Grasmücken verwendet, was die Vielfalt der damaligen Küche unterstreicht. Die Kombination aus Fischsauce, Wein und Eier deutet auf einen kräftigen, herben Geschmack hin, der dem Spargel eine neue Dimension verleiht.

Das klassische deutsche Grundrezept: Technik und Wissenschaft

Während das römische Rezept auf komplexen Mischungen beruht, ist das klassische deutsche Spargelrezept durch Einfachheit und Klarheit gekennzeichnet. Es basiert auf einer sorgfältigen Vorbereitung des Wassers, das nicht nur als Garmedium dient, sondern das Aroma des Spargels verstärkt. Die Hauptrolle spielen dabei die Zutaten im Kochwasser, die den Geschmack und das Aussehen des Gemüses entscheidend beeinflussen.

Die Rolle der Zutaten im Kochwasser

Die Wahl der Zutaten im Kochwasser ist entscheidend für das Endergebnis. Jede Komponente erfüllt eine spezifische Funktion, die über das reine Garen hinausgeht:

Zutat Funktion im Grundrezept
Weißer Spargel Bildet die Grundlage; entwickelt beim Kochen im gewürzten Wasser ein mildes, leicht süßliches Aroma. Das sorgfältige Schälen sorgt für Zartheit.
Wasser Dient als Garflüssigkeit und nimmt das typische Spargelaroma auf, das später für eine Brühe genutzt werden kann.
Zucker Gleicht mögliche Bitterstoffe aus und unterstützt den natürlichen Geschmack des Spargels.
Butter Gibt dem Wasser eine runde, leichte Geschmacksnote und sorgt für eine cremige Konsistenz im Kochbad.
Zitronensaft Hilft dem Spargel, seine helle Farbe zu behalten und bringt eine dezente Frische. Eine Zitronenscheibe (aus Bio-Qualität) kann ebenfalls verwendet werden.

Der Garprozess: Vom Topf bis zum Teller

Die Zubereitung des klassischen Spargelgrundrezepts gliedert sich in drei Hauptschritte, die Präzision und Erfahrung erfordern.

1. Vorbereitung des Spargels Der erste und wichtigste Schritt ist die Vorbereitung der Stangen. Spargel muss unter kaltem Wasser abgespült werden. Anschließend wird er zwischen Daumen und Zeigefinger gehalten und mit einem Spargelschäler vollständig geschält. Die holzigen Enden werden abgeschnitten, wobei der Spargelkopf als das Feinste erhalten bleibt. Ein entscheidender Hinweis ist es, die Schalen und Endstücke nicht wegzuwerfen. Diese bilden die Basis für eine spätere Spargelbrühe, ein klassisches Nebenprodukt, das den Geschmack des Hauptgerichts ergänzt.

2. Das Kochwasser vorbereiten Ein großer Kochtopf wird mit Wasser gefüllt, das zum Kochen gebracht wird. Vor dem Hinzufügen des Spargels werden Zucker, Butter und Zitronensaft in das heiße Wasser gegeben. Dies erzeugt ein geschmacksintensives Garmedium. Der vorbereitete Spargel wird vorsichtig ins Wasser gelegt, und die Hitze wird reduziert, sodass das Wasser nur noch leicht köchelt. Das Garen erfolgt oft ohne Deckel, was die Verdampfung und Konzentration des Aromas beeinflusst.

3. Garen und Servieren Die Garzeit hängt direkt von der Dicke der Stangen ab. Als Faustregel gilt eine Kochzeit von etwa zehn bis fünfzehn Minuten. Eine wichtige Technik ist die Garprobe: Der Spargel sollte sich bei der Gabel leicht biegen lassen, ohne zu hängen. Dies zeigt an, dass das Gemüse zart ist, aber noch Standhaftigkeit besitzt. Anschließend wird der Spargel mit einem Schaumlöffel oder einer Spaghettizange aus dem Wasser gehoben und kurz abtropfen gelassen.

Moderne Gartechniken: Dampf, Ofen und Topf

Neben dem klassischen Kochen im Topf haben sich moderne Methoden etabliert, die den Geschmack und die Textur des Spargels auf unterschiedliche Weise beeinflussen. Diese Techniken bieten Abwechslung und ermöglichen eine schonendere Verarbeitung des empfindlichen Gemüses.

Dampfgaren für geschmacksintensive Ergebnisse

Das Dampfgaren gilt als die schonendere Variante. Es erhält das natürliche Aroma des Spargels besser als das Kochen im Wasser, da keine Aromastoffe ins Wasser übergehen. Für diese Methode wird der Spargel in eine Dampfgarer-Schale gegeben, mit Salz und bei Bedarf mit Zucker bestreut. Die Garzeit liegt bei etwa 15-20 Minuten bei 100 °C. Am Ende können Zitronensaft und Butter hinzugefügt werden, um das Gericht abzurunden.

Falls kein spezieller Dampfgarer vorhanden ist, können alternative Methoden genutzt werden. Ein Gusseisentopf oder einfach Backpapier im Backofen können als Ersatz dienen. Dies zeigt, dass die Technik nicht an teure Geräte gebunden ist, sondern mit einfachen Mitteln umgesetzt werden kann.

Der klassische Spargeltopf und sein Einsatz

Zum Spargelkochen ist keine besondere Küchenausstattung nötig. Ein großer Kochtopf reicht völlig aus, solange der Spargel genügend Platz hat und die Stangen komplett im Wasser liegen können. Im Handel sind spezielle Spargeltöpfe erhältlich. Diese sind hoch und schmal gebaut und besitzen meist einen Siebeinsatz. Sie ermöglichen es, den Spargel in senkrechter Lage zu garen, was die Form der Stangen erhält und das Garen im eigenen Saft ermöglicht.

Regionale Spezialitäten: Spargel nach Mailänder Art

Die kulinarische Tradition des Spargels reicht weit über die deutsche Küche hinaus. In Italien, speziell in der Lombardei, ist Spargel tief in die kulinarische und kirchliche Tradition verankert. Ein herausragendes Beispiel ist das Gericht „Spargel nach Mailänder Art", das eigentlich als „Spargel nach Bismarck Art" bekannt ist. Dieses Gericht verbindet das edle Gemüse mit Eiern, eine Kombination, die sowohl geschmacklich als auch historisch fasziniert.

Historischer Kontext und Bedeutung

Die Geschichte dieses Gerichts ist eng mit dem „Eisernen Kanzler" Otto von Bismarck verknüpft. Im Mai 1882 reiste Bismarck nach Italien, um den Dreibund abzuschließen. Bekannt als Gourmet mit einer Vorliebe für Eier, wurde er von einem Mailänder Koch mit einer speziellen Kombination belohnt: Frischer Spargel mit Spiegeleiern. Seitdem findet man dieses Gericht, oft als „Asparagi alla Bismarck" bezeichnet, in jeder Mailänder Trattoria. Es ist neben Safran-Risotto und Cotoletta alla milanese ein kulinarisches Aushängeschild der lombardischen Metropole.

Interessanterweise ist Spargel in der Region Varese auch tief in die kirchliche Tradition eingebunden. Früher sammelten die Spargel früher Gaben für die Kirche: Nach der Messe bot der Pfarrer die Stangen zur Versteigerung an. In der Lombardei gibt es zudem den Cantello-Spargel, der so zart ist, dass er roh gegessen werden kann, beispielsweise als Salat mit Erdbeeren und Mandeln.

Rezeptur: Spargel nach Mailänder Art

Das Rezept für „Spargel nach Mailänder Art" ist eine köstliche Kombination aus zartem Spargel und aromatischen Spiegeleiern. Es ist glutenfrei und laktosefrei und verleiht Energie und Leichtigkeit, was es ideal für die Fastenzeit macht. Die Raffinesse liegt in der Mischung aus grünem und weißem Spargel, wobei Wildspargel eine besondere Note verleiht.

Zutaten für das Gericht: - 1 kg Wildspargel, grüner Spargel oder weißer Spargel - 4 Eier - 50 g Butter - Grana Käse oder geriebener Parmesan - Salz - Pfeffer aus der Mühle

Schrittweise Zubereitung: 1. Vorbereitung: Spargel waschen, im unteren Drittel schälen und die Enden abschneiden. 2. Garen: In einem weiten Topf Wasser mit Salz kochen. Den Spargel ins kochende Wasser geben und bei sanftem Köcheln für etwa 5-10 Minuten bissfest garen. Die Dauer hängt von Sorte und Dicke ab. 3. Eier zubereiten: In einer Pfanne bei mittlerer Hitze 50 g Butter zerlassen. Die Eier vorsichtig in die Pfanne gleiten lassen und zu weichen Spiegeleiern braten (ca. 3-4 Minuten). Die Pfanne rechtzeitig vom Herd nehmen, damit die Eier nicht zu hart werden. 4. Anrichten: Den gekochten Spargel abtropfen lassen und auf vorgewärmten Tellern verteilen. Etwa etwas Käse darüber reiben. Je ein Spiegelei auf die Spargel setzen. Das Gericht mit Salz und Pfeffer würzen. Die restliche Butter aus der Eierpfanne über den Spargel verteilen.

Klassische Variationen: Hollandaise und Kartoffeln

Neben dem einfachen Garen mit Butter und Zitronensaft gibt es klassische Variationen, die das Gericht aufwerten. Besonders beliebt ist die Kombination mit Sauce Hollandaise und Beilagen wie Kartoffeln.

Die Kunst der Sauce Hollandaise

Die Sauce Hollandaise ist der klassische Begleiter von weißem Spargel. Ihre Zubereitung erfordert Präzision. Zuerst wird die Butter in einem Topf zerlassen, darf aber nicht braun werden. Im Anschluss werden Eigelb mit Zitronensaft und Weißwein über einem heißen Wasserbad so lange geschlagen, bis die Masse dicklich wird. Erst danach wird die abgekühlte Butter langsam unterschlagen. Die Sauce wird abschließend mit Salz und Pfeffer gewürzt.

Das klassische Anrichten

Ein klassisches Spargelgericht wird oft mit weiteren Elementen ergänzt. Die Zubereitung sieht vor, dass der Spargel auf vier Tellern verteilt wird. Dekorativ werden Schinkenblätter darauf gelegt. Daneben kommen gedämpfte Kartoffeln. Das Gericht wird mit etwas Petersilie (Peterli) bestreut. Ein grüner Salat ist eine empfohlene Beilage, die die Frische des Gerichts unterstreicht.

Die Sauce Hollandaise wird dabei separat dazu gereicht, was dem Genießer erlaubt, die Intensität der Sauce selbst zu dosieren.

Zusammenfassung der Garmethoden

Um die Unterschiede zwischen den verschiedenen Zubereitungsarten zu verdeutlichen, bietet sich eine Vergleichstabelle an, die die wichtigsten Parameter gegenüberstellt:

Methode Garzeit Temperatur Besonderheit
Kochtopf (Klassisch) 10-15 Min Kippen (80-90 °C) Aromawasser mit Zucker, Butter, Zitrone
Dampfgarer 15-20 Min 100 °C Schonend, Aroma bleibt im Gemüse
Gusseisentopf/Ofen Variabel 180 °C (O/U) Alternative ohne Dampfgarer
Mailänder Art 5-10 Min Kochend (ca. 100 °C) Mit Spiegeleiern und Käse

Fazit

Die Zubereitung von Spargel ist weit mehr als das bloße Kochen von Gemüse. Es ist eine Reise durch die Geschichte der Küche, von den römischen Rezepten des Apicius bis zu den klassischen deutschen Grundrezepten und den regionalen Spezialitäten der Lombardei. Jedes Rezept, ob es nun auf dem einfachen Kochen im gewürzten Wasser oder der komplexen Verarbeitung zu einem Auflauf basiert, erfordert ein Verständnis der Eigenschaften des Spargels.

Das klassische Grundrezept lehrt die Wichtigkeit des geschmacksvollen Kochwassers, in dem Zucker und Butter den natürlichen Geschmack ausgleichen und die Farbe erhalten. Die modernen Techniken des Dampfgarens bieten eine schonende Alternative, während die „Spargel nach Mailänder Art" eine köstliche Verbindung von Gemüse und Ei darstellt, die tiefe historische Wurzeln in der Geschichte des Deutschen Reichs und der italienischen Küche hat.

Egal ob man sich für das antike Rezept mit Fischsauce entscheidet oder das klassische deutsche Rezept mit Sauce Hollandaise wählt, das Prinzip bleibt dasselbe: Sorgfalt im Schälen, Präzision im Garen und die richtige Wahl der Beilagen machen den Unterschied zwischen einem guten und einem hervorragenden Spargelgericht. Die Vielseitigkeit des Spargels, ob wilder, weißer oder grüner, lädt dazu ein, die Traditionen weiterzuführen und mit neuen Techniken zu experimentieren.

Quellen

  1. Die Frau am Grill - Spargel kochen Rezept
  2. Spargeltreff - Das erste Spargelrezept nach Apicius
  3. Sallys Blog - Weißen Spargel richtig garen
  4. A Modo Mio - Spargel nach Mailänder Art
  5. Gute Küche - Spargel klassisch Rezept

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