Kreatives Rehhack: Königsklopse, Saftbraten und Tätschli – Eine kulinarische Nutzung des Wildes

Die Verwendung von Rehhackfleisch stellt in der modernen Küche eine raffinierte Alternative zu herkömmlichem Hackfleisch dar. Während Wildfleisch oft mit aufwändigen Braten oder ganzen Keulen assoziiert wird, eröffnet das Hackfleisch die Möglichkeit, die mageren und geschmacksintensiven Eigenschaften des Rehs in alltagstauglichen Gerichten zu nutzen. Die vorliegenden Informationen aus diversen kulinarischen Quellen beleuchten die Vielseitigkeit dieses Produkts, von klassischen Fleischklößen bis hin zu deftigen Hackbraten. Ein zentraler Aspekt, der sich durch die verschiedenen Rezepturen zieht, ist die Kompensation der geringen Fettigkeit des Rehfleischs durch Zugabe von Speck, Schweinehack oder Sahne, um Saftigkeit und Geschmack zu gewährleisten.

Charakteristika und Verarbeitung von Rehhack

Rehfleisch gilt als mageres, sehr eiweißreiches Fleisch mit einem charakteristischen, wildartigen Aroma. Im Vergleich zu Rind oder Schwein ist der Fettanteil deutlich niedriger, was einerseits gesundheitlich vorteilhaft ist, andererseits bei der Zubereitung von Hackfleischprodukten Herausforderungen mit sich bringt, da Fett als Geschmacksträger fungiert und das Fleisch saftig hält.

Herstellung und Ausgangsmaterial

Die Qualität des Hackfleischs hängt maßgeblich von der Auswahl des Ausgangsmaterials ab. Laut den vorliegenden Daten eignen sich vor allem die Schulter des Tieres sowie Abschnitte, Blätter und Bauchlappen für die Verarbeitung zum Hack. Die Schulter enthält zwar viele Sehnen und ist schwierig als homogenes Bratenstück zu nutzen, eignet sich jedoch ideal für den Fleischwolf. Auch Schussverletzungen, die sich meist im Schulterbereich befinden, können hierbei entfernt und der Rest des Fleischstücks genutzt werden.

Ein erfahrener Jäger beschreibt die Vorgehensweise, die Fleischteile in Vakuumbeuteln einzufrieren, um sie bei Bedarf frisch zu wolfen. Das frische Wolfen wird als essenziell angesehen, da einmal gewolftes Hackfleisch aufgrund der großen Oberfläche besonders schnell verdirbt. Das Einfrieren in flachen Paketen à 500 g ermöglicht zudem ein schnelles Auftauen und eine hygienische Handhabung.

Geschmacksprofil und Fettanteil

Rehhackfleisch ist geschmacklich intensiv und mager. Um das Geschmackserlebnis zu optimieren, wird in einigen Rezepten empfohlen, Rehhack mit Wildschweinhack zu mischen. Diese Zugabe erhöht den Fettgehalt, was nicht nur den Geschmack verbessert, sondern auch die Saftigkeit des Endprodukts sichert. Für Rezepturen, die auf reines Rehhack setzen, werden daher oft Sahne, Butter oder Eier als bindende und saftigende Zutaten verwendet.

Rezeptur 1: Reh-Hacktätschli an Pilzrahmsauce

Dieses Gericht kombiniert die rustikale Form von Fleischküchlein (Hacktätschli) mit einer feinen Pilzsauce. Es ist ein Beispiel für eine zügige Zubereitung, die den Wildgeschmack durch Pilze und Sahne abrundet.

Zutaten und Zubereitung

Für vier Personen werden benötigt: * 400 g Reh-Hackfleisch * Karotte, Zwiebel, Knoblauch, Champignons (fein gehackt) * Paniermehl, Ei, Schnittlauch * Gewürze: Salz, Pfeffer, Paprika, Thymian

Für die Sauce: * 400 g Pilze (Champignons, Eierschwämmli) * Butter, Mehl, Wildfond (3 dl), Halbrahm (2,5 dl) * Holunderblüten-Gelée (2 TL, optional)

Zubereitungsschritte

  1. Teig herstellen: Rehhackfleisch mit dem Gemüse (Karotte, Zwiebel, Knoblauch, Champignons), Paniermehl, Ei und Schnittlauch vermengen. Mit den genannten Gewürzen abschmecken. Aus der Masse Kugeln formen und diese leicht flachdrücken.
  2. Braten: Die Hacktätschli in einer Pfanne mit Bratbutter von beiden Seiten goldbraun braten. Anschließend werden sie bei ca. 70°C (Ober-/Unterhitze) im Ofen warm gehalten.
  3. Sauce fertigstellen: In derselben Pfanne Butter geben und die restlichen Pilze anbraten. Mit Mehl bestäuben, mit Wildfond ablöschen und Halbrahm zugeben. Die Sauce köcheln lassen und mit Salz, Pfeffer und Paprikapulver würzen. Optional kann das Holunderblüten-Gelée zur Verfeinerung hinzugefügt werden.

Rezeptur 2: Königsberger Klopse vom Reh

Königsberger Klopse sind ein ostpreußischer Klassiker, der traditionell aus Kalb- oder Rinderfleisch besteht. Die Umsetzung mit Rehhackfleisch bietet eine magerere, wildige Variante. Die Zubereitung ist anspruchsvoller, da hier eine Panade und eine aufwendige Sauce (Kapern-Sahne-Sauce) zubereitet wird.

Zutaten und Zubereitung

Die Rezeptur erfordert 1 kg Rehhackfleisch. Um die mageren Eigenschaften auszugleichen, werden Zutaten wie Milch, Eier, Butter und Sahne verwendet. Besondere Würzkomponenten sind Sardellenfilets, mittelscharfer Senf und ein Bouquet garni aus Lorbeerblättern, Nelken, Wacholderbeeren und schwarzen Pfefferkörnern.

Herstellungsprozess

  1. Panade: Alte Brötchen werden in Würfel geschnitten und in leicht angewärmter Milch eingeweicht. Gleichzeitig werden Zwiebeln in Butter angedünstet. Die ausgedrückten Brötchen werden zu den Zwiebeln gegeben.
  2. Hackmasse: Die Brötchen-Zwiebel-Mischung wird mit dem Rehhackfleisch, Eiern, Sardellenfilets (sehr fein gehackt), Senf und Gewürzen (Salz, Pfeffer, Muskatnuss) vermengt.
  3. Formen und Garen: Aus der Masse werden Klopse geformt. Diese werden in einer Sauce gegart, die aus dem Bouquet garni, Sahne, Mehl, Kapern, Zitronensaft, Zucker und Weisswein besteht. Die Klopse werden also nicht separat gebraten, sondern in der entstehenden Sauce gegart (Schmoren).

Rezeptur 3: Saftiger Hirsch-/Reh-Hackbraten

Dieses Rezept beschreibt einen "Falschen Hasen", einen Fleischlaib, der ähnlich wie ein Braten zubereitet wird. Er ist eine robuste, sättigende Variante, die oft mit Füllungen wie Hirtenkäse oder gekochten Eiern versehen wird.

Zutaten und Struktur

Für einen Hackbraten werden ca. 600 g Hackfleisch (Mischung möglich) verwendet. Die Basis bildet eine Semmel- oder Brötchen-Einweichmasse (in Wildfond), die für die Saftigkeit sorgt. Weiterhin enthalten sind Gewürzgurken, Zwiebeln, Petersilie, Tomatenmark und Eier.

Zubereitungstechnik

  1. Masse anrühren: Die eingeweichten Brötchen werden mit dem Hackfleisch, dem fein geschnittenen Gemüse (Gewürzgurken, Zwiebeln, Champignons), den Eiern und Gewürzen (Paprika, Senf, Zitronensaft) vermengt.
  2. Formen: Die Masse wird zu einem Brotlaib geformt und in eine gefettete Schmorpfanne gegeben.
  3. Garen: Der Laib wird mit zerlassener Butter beträufelt und bei 180°C im Ofen gebacken. Eine Variante beschreibt das Garen im Ofen bei 180°C für 45 Minuten, wobei der Laib mit Bauchspeck belegt wird und mit Wildfond abgelöscht wird.

Rezeptur 4: Butterschnitzel (Hacklaibchen)

Diese Variante, inspiriert von österreichischen "faschierten Laibchen", nutzt Rehhackfleisch von der Schulter. Das Besondere hier ist die Zugabe von Preiselbeermarmelade direkt in die Hackmasse, was eine seltene, aber geschmacklich interessante Kombination aus süß und wild darstellt.

Zutaten und Besonderheiten

  • 400 g Rehschulter (ausgelöst, gewolft)
  • 150 g Toastbrot (ohne Rinde)
  • 40 ml kräftiger Rotwein oder Portwein
  • 1 EL Wildgewürz
  • 1 EL Preiselbeermarmelade
  • Eier, Butter, Sahne

Zubereitung

Das Toastbrot wird gewürfelt und mit Rotwein befeuchtet. Dies dient der Saftigkeit und einer leichten Säure. Die Zutaten werden mit dem Hackfleisch und der Preiselbeermarmelade vermischt. Die geformten Laibchen werden in Butterschmalz bei mittlerer Hitze gebraten. Für den Bratensaft wird die Pfanne mit Portwein und Wildfond abgelöscht.

Zubereitungstechnische Zusammenfassung

Die verschiedenen Rezepte zeigen klare Muster in der Zubereitung von Rehhackfleisch:

  1. Bindemittel: Da Rehhack mager ist, sind Bindemittel essentiell. Verwendet werden Paniermehl, Semmeln (eingeweicht in Milch oder Wildfond), Eier und Sahne.
  2. Würzung: Wildgewürze, Kräuter (Thymian, Rosmarin, Petersilie) und Gewürze wie Wacholder, Lorbeer und Nelken dominieren. Säure (Zitronensaft, Rotwein) und Süße (Preiselbeermarmelade, Holundergelée) werden genutzt, um das intensive Aroma auszubalancieren.
  3. Garverfahren: Das Braten in der Pfanne (Hacktätschli, Butterschnitzel) dient der Bildung einer Bratkruste. Das Schmoren im Ofen oder in der Pfanne (Königsberger Klopse, Hackbraten) dient der Saftigkeit und der Entwicklung komplexer Aromen durch Flüssigkeitszugabe (Wildfond, Sahne).

Schlussfolgerung

Die Verarbeitung von Rehhackfleisch erfordert ein Verständnis für die Eigenschaften des Wildes. Die mageren und geschmacksintensiven Eigenschaften machen es zu einem wertvollen Rohstoff, der jedoch durch saftige Komponenten ergänzt werden muss. Die vorgestellten Rezepte – von den klassischen Königsberger Klopsen über den saftigen Hackbraten bis hin zu den mit Preiselbeeren gewürzten Butterschnitzeln – demonstrierten die breite Anwendbarkeit. Sie ermöglichen es, Wildfleisch nicht nur als Festtagsmenue, sondern auch als deftige Alltagskost zu integrieren. Entscheidend für den Erfolg ist die frische Verarbeitung, eine ausgewogene Würzung und die Kombination mit passenden Saftkomponenten wie Wildfond oder Sahnesaucen.

Quellen

  1. REH-HACKTÄTSCHLI AN PILZRAHMSAUCE
  2. Rezept: Königsberger Klopse vom Reh
  3. Saftiger Hirsch-/Reh-Hackbraten
  4. Butterschnitzel aus Rehhack
  5. Reh-Hackbraten
  6. Hackfleisch von Reh, Wildschwein, Hirsch und co.

Ähnliche Beiträge