Im Januar 2023 löste ein EU-Beschluss über die Verarbeitung von Insekten in Lebensmitteln weitreichende Diskussionen aus. Viele Verbraucher stellten plötzlich fest, dass verschiedene Nahrungsmittel – darunter auch die beliebten Kinder Schoko-Bons – bereits seit geraumer Zeit Inhaltsstoffe enthielten, die aus Insekten stammen. Der Schellack in den Schokoladentreffern war besonders umstritten, da er aus den Ausscheidungen der Lackschildlaus gewonnen wird. Doch ab sofort ist das anders: Der Süßwarenkonzern Ferrero hat bekanntgegeben, dass die Rezeptur seiner Kinder Schoko-Bons überarbeitet wurde – mit der entscheidenden Konsequenz, dass die Süßigkeit künftig ohne Schellack auskommt.
Dieser Artikel gibt einen umfassenden Überblick darüber, warum Schellack als Zutat in Kinder Schoko-Bons seit Langem kritisch beäugt wurde, welche Veränderungen Ferrero vorgenommen hat und was Verbraucher aktuell über die Produkte wissen sollten.
Schellack in Kinder Schoko-Bons – Historische Hintergründe
Die Kinder Schoko-Bons stammen aus der italienischen Süßwarenmarke Ferrero und zählen weltweit zu den bekanntesten Schokoladenbonbons. Die Süßigkeit besteht aus einer kleinen Kugel aus Vollmilchschokolade, die eine Füllung aus Milchcreme und Haselnüssen birgt. Die charakteristische glänzende Oberfläche der Schoko-Bons wurde bislang durch den Einsatz von Schellack erzeugt. Dieser Überzugsmittel- oder Glasurzusatz, offiziell als E904 in der Zutatenliste aufgeführt, war bislang ein entscheidender Bestandteil des Rezeptur-Designs.
Allerdings ist Schellack kein chemisch-synthetisches Produkt, sondern ein natürlicher Stoff, der aus den Ausscheidungen der Lackschildlaus (Laccifera lacca) stammt. Das Insekt wird in Asien kultiviert, wo es sich an jungen Bäumen ansetzt. Da die Larven im Laufe ihres Lebens Harze ausscheiden, entsteht Schellack, das in der Lebensmittelindustrie unter anderem als Lack- und Schutzschicht verwendet wird. Da Schellack tierischen Ursprungs ist – zudem oft durch den Todesfall der Insekten entsteht – fiel die Zutat vor allem in vegetarischen Kreisen auf.
Auch in der EU war Schellack lange als zugelassenes Lebensmittelzusatzmittel unter der Nummer E904 gelistet. Dies änderte sich 2023, als zusätzliche Bestimmungen erlassen wurden, die eine erweiterte Verarbeitung von Insekten in Lebensmitteln zuließen. Diese Regelungen brachten auf sozialen Netzwerken einen medialen Aufschrei hervor, sobald Verbraucher erkannten, dass mehrere Konsumgüter – darunter auch Kinder Schoko-Bons – bereits seit längerer Zeit Insekten-Inhaltsstoffe enthielten.
Rezeptur-Änderungen bei Ferrero: Kinder Schoko-Bons ohne Insekten-Überzug
Aufgrund der Kritik und der erhöhten öffentlichen Aufmerksamkeit für Insekten-zugelassene Lebensmittel, die durch die neuen EU-Vorschriften verstärkt wurde, reagierte Ferrero auf Drängen zahlreicher Verbraucher und stellte die Rezeptur der Kinder Schoko-Bons in eine Insektensubstanz-freie Alternative um.
Seit Januar 2023, teilt Ferrero mit, sei die Produktion von Kinder Schoko-Bons unter einer neuen Zutatenliste gestartet worden. Allen Berichten zufolge ist Schellack nicht mehr in der Rezeptur enthalten. Stattdessen wird laut dem Konzern eine harzige Substanz auf pflanzlicher Basis verwendet, die den gleichen funktionellen Zweck erfüllt, also die glänzende, wasserdichte Schicht um die Schokoladenkugel schafft. Zudem wird diese Substanz nicht aus tierischen Materialien gewonnen und ist für Vegetarier akzeptabel.
Die Zutatenliste der alten Version enthielt laut Berichten folgende Inhaltsstoffe im Überzug:
- Schellack (E904)
- Gummi arabicum
- Glukosesirup
- Emulgator Lecithine (Soja)
- Aromen
Diese Rezeptur war in manchen Regionen bis in 2023 hinein zu finden. Die neue Zutatenliste enthält keinen Schellack mehr und verlagert die Erzeugung der Glasur mit anderen pflanzlichen Stoffen. Obwohl konkrete Details zur neuen Formel nicht öffentlich gemacht wurden, betont Ferrero, dass der Geschmack – bestehend aus der schokoladigen Hülle und der süßen Haselnussfüllung – nicht beeinträchtigt wird und somit die Einheitlichkeit des Geschmackserlebnisses erhalten bleibt.
Aufmerksamkeit auf der Suche nach Insektensubstanzen
Bis alle Regalbestände mit der neuen Rezeptur ersetzt sind, dauert es noch länger. Ferrero selbst gibt hierzu an, dass es je nach Geschwindigkeit des bestehenden Sortiments im Handel noch „einige Wochen“ dauern werde, bis keine Kinder Schoko-Bons mehr mit Schellack im Überzug verkauft werden. Das bedeutet, dass Verbraucher, die aus ethischen oder diätetischen Gründen keine zulässigen Insektensubstanzen zu sich nehmen wollen, bei Einkäufen auf die genaue Zutatenliste achten sollten. In der alten Version taucht Schellack unter der E-Nummer 904 auf und ist eindeutig identifizierbar.
Ein weiterer Aspekt betrifft auch die Klarheit und Transparenz in der Etikettierung. Der EU-Beschluss 2023, durch den die Zulassung zusätzlicher Insektensubstanzen erfolgte, zwingt Hersteller zwar, alle tierischen Zutaten explizit zu erwähnen, was für Verbraucher mit sensibler Verbraucherschicht (vegetarisch/vegan) von Vorteil ist. Allerdings war der Schellack in der Lebensmittelindustrie bereits lange als Standardzusatz etabliert, sodass viele Konsumenten den Stoff erst nach 2023 aufmerksam werden konnten.
Warum ist Schellack umstritten?
Selbst wenn Schellack laut Studien und Lebensmittelbehörden chemisch unbedenklich ist und von Organismen wie dem menschlichen Körper gut vertragen wird, so wird es doch als kontrovers empfunden, weil es aus tierischen Produkten gewonnen wird. Für die Herstellung wird Schellack traditionsgemäß von Sammlern manuell geschält nachdem die Schildläuse an Bäumen angeheftet wurden und sterben. Somit wird der Stoff mit gewissem tierischen Einsatz erzeugt, auch wenn es dabei eigentlich nicht um die direkte Verwendung von Tierresten geht, sondern um das Überbleibsel der Insektenproduktion.
Diese Herstellungsmethodik warf mehrfach ethische Fragen auf:
- Ist es akzeptabel, Insekten als Rohstoff industriell zu kultivieren?
- Ist Schellack für Diätformen wie Vegetarismus oder Veganismus geeignet?
Die Marke Kinder Schoko-Bons kannte diese Fragen bis zur Kritikwelle 2023 nicht oder zumindest nicht in der Öffentlichkeit. In der neuen Rezeptur verfolgt Ferrero das Ziel, diese kritischen Stimmen durch die Änderung der Zutatpalette zu beruhigen und gleichzeitig das Image zu verbessern.
Andere Produkte mit Schellack: Beispiele aus Deutschland
Trotz der Änderung bei Kinder Schoko-Bons ist Schellack immer noch ein gängiges Hilfsstoff in der Lebensmittelindustrie. Ein Beispiel ist die „Bunte Kakaolinsen“ von Milka. Auch hier wird Schellack eingesetzt, um den typischen Glanz zu erzeugen. Andere Beispiele sind:
- M&Ms von Mars – manche Sorten beinhalten Schellack
- „Saure Glühwürmchen“ von Trolli – Schellack in der Glasur
- Würfelbriet von Rödel – als Schutzschicht
Auch bei verschiedenen Getränken oder Säften kann Schellack enthalten sein, beispielsweise als Schutzschicht um Früchte oder als Glasuraroma in Kaffeebohnen.
Da Schellack nicht in den meisten Köpfen der Konsumenten auftaucht – vor allem nicht, solange er keine EU-gesetzte Änderung veranlasste – liegt das Problem nicht nur bei der Schädlichkeit, sondern auch bei der Transparenz in der Zutatenkette.
Vegan? – Kinder Schoko-Bons und Alternativen
Nach den Änderungen ist die neue Rezeptur von Kinder Schoko-Bons für Vegetarier geeignet, da keine Insectenbestandteile mehr enthalten sind. Jedoch bleibt die Süßigkeit nicht vegan, da unter anderem Magermilchpulver verwendet wird, was tierischen Ursprungs ist. Für Verbraucher, die ausschließlich pflanzliche Zutaten konsumieren, bedeutet dies, dass Kinder Schoko-Bons weiterhin nicht in ein veganen Diätplan integriert werden können.
Es gibt alternativ auf dem Markt etablierte Hersteller, die vollständig vegane Schokoladenbonbons anbieten. Ein Beispiel ist die Marke Chocoholle oder Coeur de Chocolat, die ausschließlich mit veganen Zutaten arbeiten und keine tierischen Hilfsmittel benutzen. Für Eltern und Ernährungsbewusste könnte dies eine willkommene Option sein, die Kritik an der industriellen Schokolаде vermeidet und dennoch den Genuss nicht einbüßt.
Verbrauchertipps: So erkennen Sie Schellack in Produkten
Da viele Produkte Schellack beinhalten, ist es wichtig für Verbraucher, die Zutatenlisten zu prüfen. Im Einzelnen bedeutet dies:
Suchen Sie auf der Zutatenliste nach der Bezeichnung:
- Schellack oder
- E904
Beachten Sie die Umverpackung: Manchmal ist Schellack in der Umverpackung enthalten, aber nicht in der Süßigkeit selbst. In diesem Fall kann das Produkt trotzdem als Schellack-haltig deklariert sein, was für Vegetarier eine Hürde darstellt.
Informieren Sie sich über alternative Schutzschichten: Viele Hersteller verwenden bereits Alternativen wie Pflanzenharze, Polyglyceride oder Stärke. Diese sind vegantauglich und entstehen ohne Insein.
Öko-Test- und Bio-Etiketten: Manche Lebensmittel, die Insektensubstanzen enthalten, entziehen sich den Kriterien für öko-konformes oder biologisches Obst. Hier ist es hilfreich, nach der kontrollierten Produktion – insbesondere in Sachen übernatürlicher Zutaten – zu schauen.
Anbieterwechsel im Verbrauch: Für Haushalte, die möglichst tierfreie Inhaltsstoffe verwenden möchten, ist es ratsam, die Nahrungsmittel im eigenen Haushalt auf Schellack zu filtern und wo möglich auf alternativen Marken zurückzugreifen.
Fazit
Die Änderung der Kinder Schoko-Bons-Rezeptur ist ein wahrer Meilenstein, sowohl hinsichtlich Ernährungs-Transparenz als auch für Kundenzufriedenheit im Jahr 2023. Ferrero hat auf Kritik reagiert und die Zutatenliste geändert, um Insektensubstanzen auszuschließen – das Produkt bleibt trotzdem unverändert lecker und attraktiv. Für Eltern, Ernährungsbilieferer und vegetarische Konsumenten ist dies eine willkommene Möglichkeit, auch künftig diese Süßigkeit problemlos zu genießen, ohne daran zu denken, was sich hinter E904 verbirgt.
Doch auch wenn Schellack in Kinder Schoko-Bons weg ist, bleibt es unverzichtbar, sich im Alltag weiterhin bewusst zu machen, was in Lebensmitteln wirklich enthalten ist. Verbraucher sollten die Zutatenlisten durchschaubarer gestalten und wo nötig auf nachhaltige oder tierfreie Alternativen zurückgreifen.
Quellen
- Ruhr24: Kinder Schoko-Bons – Streichung von Schellack
- Westdeutsche Allgemeine Zeitung: Kinder Schokobons – Veränderung bei der Rezeptur
- HNA: Neues Rezept für Schoko-Bons – kein Schellack mehr enthalten
- t-online.de: Ferrero ändert Rezeptur – Schoko-Bons ohne Schellack
- RTL: Künftig ohne Schellack – Schoko-Bons neu gemengt